Arbeit, Berufung oder Zeitvertreib



 

Das Thema, das mich aktuell am meisten umtreibt, ist das Thema ARBEIT. Jetzt, wo ich in den Ruhestand getreten bin, erscheinen nochmals alle beruflichen Stationen meines Lebens vor mir. Ich beginne zu reflektieren, was ich über Arbeit in meiner Familie vorgelebt und erzählt bekommen habe. 

 

Ich komme aus einer katholischen Familie. Der arbeitende Mensch wird in diesem Zusammenhang als derjenige gesehen, der durch sein Tätigsein Gottes Werk lobpreist. Müßiggang ist nur erlaubt, wenn man krank ist. Nur der Kranke darf sich ausruhen, denn selbst am siebten Tage gehen Katholiken in die Kirche und pflegen Nächstenliebe. Meine Großeltern als auch meine Mutter waren sehr fleißige Menschen. Nur wer fleißig ist, hat Lohn verdient. Ich bin also von dieser Seite mit einer Version des Mythos einer Leistungsgesellschaft aufgewachsen.

 

Auf väterlicher Seite sah das anders aus. Die Familie hatte große Ländereien besessen. Man ließ arbeiten und pflegte den Müßiggang. Als das durch Verluste in den Kriegen nicht mehr ging, war das Ziel ein Beamtentum, das es ermöglicht, bezahlt weiterhin nichts zu tun. Müßiggang als Ziel. Dickleibigkeit als Folge.

 

Sich zwischen diesen beiden Extremen zu finden, war und ist gar nicht so einfach. 

 

Als Therapeutin habe ich mich für ein Tätigsein im Sinne der Nächstenliebe entschieden. Jetzt, wo ich selber nicht mehr kann, entdecke ich, dass es auch ein Arbeiten geben kann, dass alleine der Freude und der Lust am Entdecken entspringt. Arbeiten und Geldverdienen hängen nicht notwendigerweise zusammen. Auch das habe ich jetzt erst erkannt. Sie können zusammengehen, müssen es aber nicht. 

 

Mit der Familie väterlicherseits wurde viel Zeit vertrieben. Was aber, wenn sie ein Geschenk ist? Einfach weil sie begrenzt ist. Was, wenn sie nicht vertrieben, sondern lustvoll gestaltet werden möchte? Wie gestaltest du deine Zeit? Arbeitest du, folgst du einer Berufung, darfst du einfach neugierig sein? Was denkst du über Arbeit und Finanzen?

 

Empfehlen kann ich an dieser Stelle:

* Toby Rosswog: After Work

* Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

* James Guzman: Sie nannten es Arbeit. Eine andere Geschichte der Menschheit