Das denkende Fleisch



 

Wer denkt, wenn ich denke? Ist es mein Gehirn? In welcher Hirnwindung sind die Gedanken gespeichert? Ist es nicht vielmehr mein gesamter Körper, der denkt, der sich erinnert, der Glaubenssätze speichert? 

 

Es sind die Sätze meiner Ahnen, die in den Zellen gespeichert sind. Gehörte Sätze, unausgesprochene Sätze, durch die Atmosphäre aufgesogene Handlungsmaxime. Mein Körper ist wie ein Schwamm. Je weniger Denken bewusst geschieht, desto mehr fühlen sich die Zellen aufgefordert, das Unausgesprochene aufzunehmen. Der denkende Körper, das denkende Fleisch. Wie aber kann es gelingen, sich dieser aufgenommenen Gedanken und Glaubenssätze gewahr zu werden? Wie geht es, dem Denken des Fleisches zu lauschen? 

 

In der Fachwelt wird vom Leibgedächtnis gesprochen, sogenannte Embodiment-Theorien kursieren. Meint Epigenetik am Ende das gleiche? Mein sich erinnernder Körper - mitgeschwemmte Gedanken von Generationen. Wieviel ist in meinen Zellen gespeichert? Thomas Hübl spricht davon, dass mein Körper mindestens 500.000 Jahre alt ist. Ein interessanter Gedanke. Das Wissen der Menschheit in meinen Zellen gespeichert. 

 

Wieviel Informationen, wieviele Gedanken kann mein Körpersystem aufnehmen? Wann ist der Speicher überfüllt und das System tillt?

 

In den letzten zwei Jahren hat mein Körpersystem Wissen preisgegeben, das über 80 Jahre alt ist. Ich bin erst 57. Wie geht das? Wie kann mein Körper von dieser alten Zeit wissen? Ich lese Sabine Bode, beschäftige mich mit der Kriegsenkel-Forschung. Körper können das. Körper können denken, sie können sich erinnern. Mein Fleisch denkt. Und deines?

 

 

* Bernhard Kegel: Epigenetik

* Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen

* Sabine Bode: Kriegsenkel - die Erben der vergessenen Generation

* Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers

* Maja Storch: Embodiment