Krankheit, Alter, Tod



Als Gautama Buddha im Jugendalter seinen Prinzenpalast verließ, war er erstaunt zu entdecken, dass Menschen krank und alt werden, dass sie sterblich sind. Damit war er zuvor nicht konfrontiert worden. 

 

Ich bin schon als kleines Kind sehr krank gewesen und kam somit früh mit der menschlichen Verletzlichkeit in Kontakt. Was ist ein weiser Umgang mit Krankheit, Alter und Tod? Das ist eine der zentralen Fragen meines Lebens. 

 

Krankheiten gehen mit Leid, Schmerzen, vielfach auch mit Erfahrungen von Ausgrenzung einher. Als ich zwei Jahre alt war, erkrankte ich an Hepatitis, meine Schwester war gerade geboren. Um sie und die anderen Familienmitglieder nicht zu gefährden, kam ich drei Monate ins Krankenhaus in Isolation. Keine schöne Zeit. 

 

Mit zwei Jahren hatte ich keine Möglichkeit, das Erlittene aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Da habe ich einfach gelitten, fühlte mich ausgestoßen und bin verstummt. Erst im Laufe der Jahre ist es mir gelungen, in dem Erfahrenen auch ein Potential zu sehen. Ich kann gut schweigen, ich habe eine feine atmosphärische Wahrnehmung entwickelt, ich habe keine Angst vor Einsamkeit und kann mich gut selbst beschäftigen. 

 

Mittlerweile bin ich frühberentet. Auch bis zu dieser Entscheidung gab es eine lange Wegstrecke des Leidens: Krebserkrankung, Depressionen, Panikattacken. Ich habe gedacht, dass ich nach beruflicher Kündigung einen Neustart machen könnte und lernte zu akzeptieren, dass es nicht nur Krankheiten, sondern auch das Alter gibt. Als älterer Mensch kann ich nicht jeden Tag das Rad neu drehen. Ich brauche längere Ruhephasen, bin langsamer, entdecke Neues lieber in der Tiefe als an der Oberfläche oder im Außen. Wie geht es, gut zu altern, im Langsamerwerden einen Gewinn zu sehen?

 

Mit dem Tod habe ich mich schon früh beschäftigt - als Philosophin, aber auch als Menschenbegleiterin. Lange Zeit habe ich Sterbenden in ihren letzten Lebenstagen beigewohnt, habe den Schmerz, aber auch den Humor und die Tiefe des Abschiednehmens kennengelernt. In meiner Promotion habe ich mich gefragt, was Trauernden hilft, wenn sie einen geliebten Menschen durch Tod verloren haben.

 

Durch einen schweren Autounfall, aber auch durch meine Krebserkrankung im Jahre 2013 bin ich selbst hautnah mit meiner eigenen Endlichkeit konfrontiert worden. Es fühlte sich nicht richtig an, damals aus dem Leben zu gehen. Ich hatte noch etwas zu erledigen - das waren meine zentralen Gefühle. Damals habe ich gekämpft. Ich wollte mein Glück mit meinem zweiten Ehemann noch länger auskosten. Es gab noch einige Romane, die ich schreiben wollte. Übrig geblieben ist ein Ritual, das ich seitdem regelmäßig pflege. Dabei stelle ich mir folgende Fragen: Fühle ich mich lebendig, so ganz, so prickelnd, so hüpfbereit lebendig? Habe ich schon alles erlebt, was ich erleben möchte? Was möchte ich noch ausprobieren, traue mich aber vielleicht nur noch nicht? Was brauche ich, um diesen mutigen Schritt zu gehen?

 

Oft hängen wir Menschen fest, wenn es um Krankheit, Alter und Tod geht. Welche Fragen könnten Ihnen helfen, aus einem Festhaken in mehr Freiheit zu gelangen? Wie erzählen Sie sich den SINN von Krankheiten in Ihrem Leben? Haben Sie Vorbilder für gutes Altern und Sterben?

 

* Rüdiger Dahlke: Krankheit als Weg

* Sogyal Rinpoche: das tibetische Buch vom Leben und von Sterben

* Eckhart Trolle: Jetzt!